Basketball, 2. Bundesliga, Pro A. Es geht um die Existenz

Essen. Es ist ein ständiger Kampf. Ein Kampf um jeden Euro. Und dieser Kampf sei verdammt hart in dieser Stadt, findet Jan Teigelack, der Geschäftsführer der ETB Wohnbau Baskets. Ob er härter sei als irgendwo anders in dieser Region oder Republik, könne er freilich nicht beurteilen.

Allgemein / Beitrag vom: 01.07.2010

Immerhin ist für den Start in der Zweiten Basketball Bundesliga (Pro A) der Mindestetat von 400 000 Euro auf 350 000 gesenkt worden. Die Probleme seien damit aber nicht aus der Welt, wie Teigelack bei seinem Redaktionsbesuch feststellte.

„350 000 brauchen wir, 350 000 Euro werden wir haben“, so Teigelacks Credo. Und das kann er wohl wieder als Erfolg verbuchen. 350 000 Euro. Mit dieser Summe läge der ETB zwar im Spitzenfeld der Basketball-Regionalliga, oder aber in einem soliden Mittelfeld der Pro B. Doch in der Pro A geht es mit diesen finanziellen Mitteln nur ums nackte Überleben. Und die Fußballer von Rot-Weiß beispielsweise oder aber der Tusem als Handball-Zweitligist bräuchten mit einem solchen Etat gar nicht erst aufzulaufen. Die Schwarz-Weißen sind – gemessen am Verhältnis Leistungsklasse und Sponsoring – eher Exoten.

Konnte der ETB in den vergangenen beiden Jahren die Saison so gerade noch stemmen, kam nun eine zusätzliche Belastung hinzu. Für die Lizenz braucht es einen Parkettboden und diese Auflage, die etwa 70 000 Euro erfordert, reißt einen Krater in den schmalen ETB-Haushalt. Und wieder spüren sie ihn, diesen mühseligen, zähen Kampf in dieser Stadt.

Geht es gerecht zu beim Sponsoring der städtischen Töchter? Eine Frage, die beim Baskets-Boss gerade in Zeiten der RWE-Krise Unbehagen auslöst, denn viele Millionen sind in den vergangenen zwei Jahren in Richtung Hafenstraße geflossen. Generell, sagt Teigelack, freue man sich beim ETB über jeden Euro der Sponsoren. „Schließlich muss ja niemand Sport unterstützen. Allerdings wird in dieser Gesellschaft, in der der Fußball eine so enorme Bedeutung erlangt hat, jede andere Sportart automatisch in eine Nische gedrängt.“ Und der Fußball ist in Essen ein heikles Thema: Am wirtschaftlichen Engagement der Stadt bei Rot-Weiß scheiden sich seit Monaten und Jahren die Geister der Öffentlichkeit. Und manchmal geht dieses Engagement offenbar auch zu Lasten anderer Clubs. Da fragt man sich zuweilen, was zählt: Leistung oder Tradition?

Für Jan Teigelack ist es ein Drahtseilakt. Er würde gern auf – zumindest empfundene – Missstände aufmerksam machen, dabei aber nicht alle Brücken hinter sich einreißen. Eine Neid-Debatte? Nein, danke. Aber alles einfach schlucken? Ja, er freue sich über die Hilfe der Stadt bei der Finanzierung des Parkettbodens. Doch man frage sich schon, warum man im Rathaus mit vielen Millionen Euro ein Stadion bauen will, ein weiteres mit Millionen Euro DFB-tauglich gemacht habe. Und sich beim Basketball nur zu einer Teilfinanzierung des Parketts durchringen konnte. Teigelack gibt sich die Antwort selbst. „Das Problem ist, dass sich niemand von den Verantwortlichen wirklich für Basketball interessiert. Die Chefs und Repräsentanten der Stadt und ihrer Unternehmen haben sich in den letzten fünf Jahren noch kein einziges Mal bei uns blicken lassen.“ Darüber ist er enttäuscht.

Aber er kämpft weiter. „Weil es ansonsten gewürdigt wird, was wir machen. Jeden Tag.“ Nicht nur die Profiabteilung stehe im Fokus, „sondern das ganze Konzept, mit dem sich der ETB vorstellt“. In Schulen, mit der Organisation von Basketball-Camps oder der Zusammenarbeit mit geistig behinderten Menschen. „Schließlich habe man auch eine gesellschaftliche und soziale Verpflichtung“, findet Jan Teigelack. Ein Vergleich zu den anderen Vereinen und Sportarten falle schwer, „ich sehe uns aber hinsichtlich der Resonanz in der Bevölkerung sehr weit vorne“. Das Umfeld verzeiht sogar eine eine schwierige, vielleicht sogar etwas enttäuschende Saison, bei der man bis zum letzten Spieltag um den Klassenerhalt zittern musste. „Weil alle wissen, dass der Klassenerhalt für uns schon ein Erfolg ist.“

Teigelack sieht aber nicht nur ein Problem der Akzeptanz , sondern auch ein strukturelles Problem hinsichtlich der Förderung des Leistungssports in Essen. „Die Sportförderung hat hier kein System. Niemand macht sich darüber Gedanken.“ Teigelacks Lösungsansatz ist nicht neu. Vor Jahren scheiterte der Versuch eines Zusammenschlusses der großen Essener Clubs, um sich gemeinsam um Sponsorengelder in der Region zu bemühen. Jeder blieb am Ende doch wieder für sich. Nun holt Teigelack diese Idee wieder aus der Schublade und legt sie auf den Tisch: „Warum gründet man nicht eine Essener Sportmarketing-Gesellschaft für alle Vereine?“ Das Prinzip: Sponsor X überweist nicht mehr einen Betrag Y an einen Verein Z, sondern an die Essener Repräsentanten des Leistungssports. Der Betrag könnte dann nach einem – unabhängig erstellten – Schlüssel verteilt werden. Spielklasse und sportlicher Erfolg könnten dabei zwei Parameter stellen. „Alles ist heutzutage evaluierbar. Es kann nur gemeinsam nach oben gehen für die Essener Vereine.“

Für Jan Teigelack ist es eine für den Leistungssport in dieser Stadt existenzielle Frage. „Es geht ums Überleben. Wie tief soll es noch gehen?“ Erst einmal bleiben aber die Baskets und alle anderen bei der Sponsorensuche auf sich allein gestellt.

Der ETB weiß dabei noch nicht einmal, in wie viele „Beine“ er überhaupt investieren kann. Natürlich fordert Trainer Igor Krizanovic einen nächsten Schritt in der Entwicklung seiner Mannschaft. „Das ist auch völlig legitim und gut so, dass er optimistisch ist“, meint Teigelack. Was Igor und sein Sportlicher Leiter Markus Horn aus den ihnen zur Verfügung gestellten Mitteln in den letzten Jahren gemacht hätten, „davor kann man sich nur verneigen“. Und der Kampf geht weiter.

Quelle: derwesten.de, 30.06.2010

Linten Rechtsanwälte

Zweigertstraße 37/41
45130 Essen

Telefon: 02 01 / 72 09 10
Telefax: 02 01 / 79 78 17

info[at]linten.de

Bürozeiten:
Montag - Freitag 8:00 bis 18:00 Uhr

KONTAKT
Kontakt

MathGuard Sicherheitsabfrage. Bitte lösen Sie folgende Rechnung:
U9L         14N      
  6    G      W   38A
PMR   TS3   MSW      
X      L      R   3OE
NRH         5LY