Tod auf Klassenfahrt – Eltern kämpfen um Ansehen des Sohnes

Rechtsanwalt Christian Schäfer erstreitet hohes Schmerzensgeld für Opfer eines Totschlags und dessen Angehörigen.

/ Beitrag vom: 04.11.2015

Sechs Jahre liegt der Tag zurück, an dem das Ehepaar Barbarotto aus Recklinghausen seinen Sohn verlor. Erstochen durch einen Mitschüler auf einer Klassenfahrt in Spanien an der Costa Brava. Sechs Jahre lang hat die Familie Barbarotto Demütigungen ertragen: Ein aus ihrer Sicht zu mildes Strafurteil gegen den Täter und immer wieder Anfeindungen durch ihn.
Bochumer Urteil hat "ein bisschen geholfen"

Doch am Donnerstag hören sie ein Urteil der 2. Zivilkammer am Landgericht Bochum, das „ein bisschen geholfen hat“, sagt Beate Barbarotto (58). Zu 110 000 Euro Schmerzensgeld verurteilt Richter Andreas Laube den mittlerweile 24 Jahre alten Täter, der zusätzlich 20 000 Euro Schadensersatz zahlen muss. „Das Böse darf nicht gewinnen“, kommentiert Beate Barbarotto die Entscheidung.

Vier Jahre liegt der Tod des auf einer Klassenfahrt in Spanien erstochenen 18-Jährigen aus Recklinghausen zurück, der Täter ist längst verurteilt....

Eine dreiviertel Stunde nimmt sich der Richter Zeit für die Begründung, ungewöhnlich für eine Zivilkammer. Es ist ihm wichtig, den getöteten Schüler zu rehabilitieren. Laube: „Er trägt nicht die geringste Mitschuld.“ Das hatte der Täter mehrfach anders dargestellt und gerade damit den Zorn der Familie Barbarotto hervorgerufen.

Es war am 6. Oktober 2009 ein Streit aus nichtigem Anlass, der schon beendet war. Doch der Täter zog plötzlich ein Messer und rief Luca Barbarotto zu: „Komm doch!“ Der kam, rechnete nicht mit einer Messeraktion. Doch der 18-jährige Mitschüler stach zu. Erst in den Oberschenkel, dann in den Hals. Eine tödliche Verletzung.

Ausgeliefert nach Deutschland gab der Täter im Strafprozess vor dem Landgericht Bochum dem Opfer die Schuld. Erst als Zeugen den Streit anders schilderten, korrigierte er seine Version. Das wurde ihm von der Jugendstrafkammer mildernd angerechnet. Die verurteilte ihn zu vier Jahren und drei Monate Jugendstrafe, zwei Jahre davon saß er im offenen Vollzug ab.
Mildes Urteil traf die Barbarottos ins Herz

Dass der Mann, der ihnen den Sohn genommen hat, nach kurzer Zeit wieder als freier Mann durch Recklinghausen lief, traf die Barbarottos ins Herz. Dass die Täterfamilie zeitweise Polizeischutz bekam, weil sie angeblich von den Barbarottos bedroht wurde, demütigte sie. „Völlig haltlos“, sagt Beate Barbarotto. Und ihr Anwalt Christian Schäfer: „Nur weil unsere Mandanten einen italienischen Nachnamen tragen, haben sie doch keine Verbindung zur Mafia.“

Anfang 2013 forderten sie im Zivilprozess 80 000 Euro Schmerzensgeld vom Täter. Doch der kehrte zurück zu der Version, er sei angegriffen worden, habe in Notwehr gehandelt. Das späte Geständnis im Strafprozess sei ein taktisches gewesen. Und die Posten beim Schadensersatz seien zu hoch: So sei der Grabstein viel zu teuer.

Wieder fühlten die Barbarottos sich gedemütigt, das Ansehen ihres Sohnes in den Schmutz gezogen. Auch der Richter bezog klar Stellung: Sollte der Zivilprozess die Schuld des Messerstechers belegen, könne das Schmerzensgeld auch höher ausfallen. Irgendwann, wiederum nach Zeugenaussagen, erkannte der Täter seine Schuld an. Er verlangte aber, dass die Eltern Barbarotto und die ebenfalls klagende Schwester Lucas sich einer psychiatrischen Untersuchung unterziehen sollten. Dies werde klarstellen, ob sie wirklich so sehr gelitten hätten.
„Legitim, aber eine ganz unwürdige Situation."

Richter Laube am Donnerstag: „Legitim, aber eine ganz unwürdige Situation.“ Eindeutig auch seine Worte zur Tat: „Ein Kampf mit ungleichen Waffen, den der Täter mit gezogenem Messer provozierte.“

Die Barbarottos kommen nach diesem Urteil ein wenig zur Ruhe. Früher hatten sie sich beklagt über die Justiz: „Was wir an Ungerechtigkeiten und Demütigungen hinnehmen mussten, ist eines Rechtsstaates unwürdig, auch wenn alles offiziell nach Recht und Gesetz abgelaufen ist.“

Dass sie jemals Geld sehen werden, glauben sie nicht. Aber darum ging es auch nicht: „Es war ein langer Kampf für Luca. Wir wollten ein Zeichen setzen.“ Nach dem Urteil ging das Ehepaar zum Richter, bedankte sich per Handschlag.

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