Arbeitsrecht: Ist eine Versetzung immer rechtens?

LintenRecht®, Allgemeines / 28. März 2022


Für viele Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen spielt der Standort des Unternehmens eine große Rolle bei der Jobsuche und Auswahl einer passenden Firma. Eine Versetzung an einen anderen Standort bedeutet oft einen längeren Arbeitsweg und kann dadurch die gewohnten Routinen durcheinanderbringen. Zwar verfügt der Arbeitgeber über das Weisungsrecht für Angestellte. Trotzdem kann er diese nicht nach Belieben versetzen. Was rechtens ist und was nicht, erfahren Sie in diesem Artikel.

Inhaltsverzeichnis:

  1. Das Wichtigste in Kürze
  2. Was versteht man unter einer Versetzung?
  3. Können Arbeitgeber ihre Angestellten einfach versetzen?
  4. Wann ist eine Versetzung nicht rechtens?
  5. Wie kann eine Versetzung angefochten werden?

Das Wichtigste in Kürze

  • Eine Versetzung bezeichnet die Zuweisung neuer Aufgaben, den Wechsel der Abteilung oder des Arbeitsorts.
  • Arbeitgeber können Versetzungen als einseitige Maßnahmen innerhalb ihres Weisungsrechts anordnen, Arbeitnehmende müssen dafür nicht zustimmen.
  • Über die Korrektheit der Versetzung im Rahmen des Weisungsrechts entscheiden Arbeitsrecht, Arbeitsvertrag, Betriebsvereinbarungen und Tarifverträge.

Was versteht man unter einer Versetzung?

Der Begriff Versetzung kann in verschiedenen Kontexten benutzt werden:

  • Zuweisung neuer Aufgaben oder eines neuen Aufgabenfelds, das über die ursprüngliche Jobbeschreibung hinausgeht oder erheblich von dieser abweicht
  • Zuteilung zu einer anderen Abteilung des Unternehmens
  • Versetzung des Arbeitsorts an einen anderen Standort der Firma

Versetzung an einen anderen Standort der Firma

Charakteristisch für eine Versetzung ist, dass die Änderungen über einen längeren Zeitraum andauern. Die Grenze bildet dabei die Dauer von einem Monat. Bei der Änderung des Arbeitsorts oder des Aufgabengebiets für zwei bis drei Wochen handelt es sich demnach nicht um eine Versetzung.

Können Arbeitgeber ihre Angestellten einfach versetzen?

Eine Versetzung ist eine einseitige Maßnahme, die keine Zustimmung des Arbeitnehmers oder der Arbeitnehmerin bedarf. Sie fällt unter das Weisungsrecht des Arbeitgebers. Dieses ist aber nicht unbegrenzt, daher kann eine Versetzung nicht rechtens sein, wenn gewisse Voraussetzungen nicht eingehalten werden. In Betrieben mit mehr als 20 Beschäftigten muss der Arbeitgeber den Betriebsrat über die geplante Versetzung informieren und dessen Zustimmung einholen.

Wann ist eine Versetzung nicht rechtens?

Überschreitet der Arbeitgeber die Grenzen des Weisungsrechts, ist eine Versetzung nicht rechtens und kann von Arbeitnehmenden angefochten werden. Wie weit das Weisungsrecht reicht, ist in der Regel im Arbeitsvertrag, Betriebsvereinbarungen, Tarifverträgen und vom Gesetz festgelegt. Firmen mit mehreren Sitzen und Standorten definieren den Arbeitsort häufig im Arbeitsvertrag. Die Versetzung an einen anderen Arbeitsplatz muss dann nicht hingenommen werden – außer der Arbeitsvertrag enthält eine entsprechende Klausel.

Darüber hinaus muss eine Versetzung laut Arbeitsrecht immer „billigem Ermessen“ entsprechen. Das heißt, dass Arbeitgeber nicht nur ihre eigenen Interessen, sondern auch die ihrer Angestellten berücksichtigen müssen. Versetzungen an einen weit entfernten Arbeitsort können daher unzumutbar sein, wenn Arbeitnehmer bzw. Arbeitnehmerinnen derzeit in Elternzeit sind oder sonstige familiäre Verpflichtungen vor Ort haben. Hier muss der Einzelfall sorgfältig geprüft werden, um die Interessen beider Parteien gegeneinander abzuwägen.

Wie kann eine Versetzung angefochten werden?

Für den Fall, dass eine Versetzung rechtswidrig ist, müssen Sie dieser nicht Folge leisten und können sie schlicht und einfach verweigern. Vorher sollten Sie die rechtlichen und vertraglichen Grundlagen jedoch unbedingt von einem Anwalt prüfen lassen. Verweigern Sie eine korrekte Versetzung, drohen Ihnen nämlich harte Konsequenzen von einer Abmahnung bis hin zur verhaltensbedingten Kündigung. Die Linten Rechtsanwälte beraten Sie als Spezialisten in Sachen Arbeitsrecht im Falle einer Versetzung und helfen Ihnen bei der Durchsetzung Ihrer Interessen.

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